Städtisches Bestattungswesen Meißen

Krematorium Meißen · Bestattung Meißen · Bestattungsinstitut Meißen

Der Phoenix zu Meißen

Alle, die jetzt eine Sage vom Feuervogel zu Meißen erwarten, müssen leider enttäuscht werden. Der schillernde Vogel, der zu Asche verbrennt, um danach wieder in voller Pracht aus den Flammen aufzusteigen und Meißen in weiser und edler Herrlichkeit erblühen lässt, ist in den Überlieferungen nicht erwähnt.

Es gab genügend Stadtbrände und Abrissorgien in der Geschichte der Stadt, die sich auf menschliches Versagen, Dummheit oder Mutwillen zurückführen ließen. Viele kulturhistorische Dinge gingen so verloren. So, wie der Phoenix erscheint und verschwindet, wird man ihn nur erlangen können, wenn man dazu den notwendigen Mut und die nötige Intelligenz vorweisen kann. Nur den klugen Recken ist es zumindest gelungen, dieses Glück in den Händen zu halten und Gutes zu vollbringen, bevor alles durch Unachtsamkeit wieder entschwand.

Der erste Schritt zum Feuervogel - Gestaltungsprinzipien einer Epoche

Die avantgardistischen Stilrichtungen (Expressionismus, Dadaismus und Surrealismus) waren prägend für die Kunst der Nachkriegszeit. Teilweise galten sie als Protest einer jungen Generation gegen den Verlust der Humanität. Ein Ziel bestand auch darin, die Selbstentfremdung zu bekämpfen. Durchschnittlich beschrieben die Kunstwerke der damaligen Zeit ein eher nüchternes Bild rund um den Alltag. Hier erscheint der Begriff der „neuen Sachlichkeit“ erstmalig. Der aus dieser Zeit her bekannte Begriff des „Bauhauses“ ist mit dieser „neuen Sachlichkeit“ eng verwoben.

Einfluss auf diese Kunstentwicklung hatte wiederum der Neoklassizismus als letzter einheitlicher Stil der Kunst und Architektur. Der Neoklassizismus (wie auch der Klassizismus) drückt sich durch gerade Formen aus, die die Funktionalität in den Vordergrund stellt, ohne die Schönheit zu vernachlässigen. Es werden dabei die Ideen der griechischen und römischen Antike verarbeitet. Der Bau der Feierhalle des Meißner Krematoriums ist ein gelungenes Beispiel für ein monumentales Erscheinungsbild, mit Symmetrien, Säulen, und rechtwinkligen Grundrissen.

Der Phoenixentwurf - Vorbilder aus der Natur

Es war ein Glück, dass zu den Vereinsmitgliedern des Feuerbestattungsvereins „Verein für Feuerbestattung zu Meißen V.V.a.G“. (V.V.a.G.= Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit) der Gestalter der Porzellanmanufaktur Meißen Prof. Paul Börner gehörte. Er betreute den Verein jahrzehntelang in allen künstlerischen Belangen. So suchte er, wie jeder Künstler, in der Natur Anhaltspunkte für sein Schaffen. Dazu kamen die Überlieferungen unserer Vorfahren. Was lag näher, als sich mit dem Vogel Pfau gestalterisch auseinanderzusetzen?

Der Blaue Pfau (Pavo cristatus) gehört in die Familie der Fasanenartigen (Phasianidae) und somit zur Ordnung der Hühnervögel, wie auch der Fasan und das Haushuhn. Pfauen waren ursprünglich in Indien und Sri Lanka beheimatet. Sie wurden bereits vor tausenden von Jahren als Ziervögel gehalten und sind seit den antiken griechischen Zeiten auch Bestandteil von Sagen. Mit seinen schillernden Federn wurde der Pfau zum Vorbild für viele bildliche Darstellungen. Charakteristisch sind die Kronenfedern auf dem Kopf und die imposanten Schwanzfedern. Gerade diese schillernden Schwanzfedern lassen das Licht geradezu mit den Federn spielen. Wie bei den Flammen ändert sich mit jeder Bewegung des Pfaus der optische Eindruck.

Bemerkenswert sind noch die den meisten Beobachtern unbekannten Schwungfedern (Flugfedern). Für die Darstellung der ausgebreiteten Flügel beobachtete Prof. Börner sogar den seltenen Flug dieser imposanten Vögel aus der Vorderansicht heraus. So wurde der Feuervogel zum Symbol des 1911 gegründeten Meißner Feuerbestattungsvereins.

Entwicklung des Feuervogels - Einfluss vom Zeitgeist auf die Details

Auch die Kunst ist von verschiedenen Strömungen und Zeiten abhängig. Bei der Entwicklung von Börnerentwürfen kann man das gut nachvollziehen. Zum einen ist es eine Weiterentwicklung einer Darstellung (Feuervogel) und andererseits finden sich verschiedene Formensprachen in anderen Abbildungen (Adler) wieder.

Der Phoenix erscheint erstmalig auf einer Keramikmedaille (Weihnachtsspiel) von 1920. Hier ist stark der klassische Eindruck erkennbar, der sich im Einzeldetail (Federkleid) erkennen lässt.

Der Phoenix auf der Spendenmünze von 1921 ist auch noch nicht symmetrisch gestaltet, obwohl eine Tendenz in diese Richtung erkennbar ist. Bewusst wurde hier für den Feuervogel eine an Elementen ärmere Variante gewählt, da der kleine Münzdurchmesser (39–42 mm) gestalterische Grenzen setzt. Bemerkenswert ist die Genauigkeit der Darstellung anatomischer Details im Gleichklang mit der Sparsamkeit der damaligen Zeit.

Im künstlerischen Umfeld wurde die Formensprache immer klarer strukturiert. Bei dem im Jahr 1924 von Prof. Paul Börner geschaffenen Entwurf einer 5-Mark-Münze wurde ein von der Form her regelmäßiger Reichsadler gestaltet. Auch wenn ein Adler nicht mit einem Phoenix vergleichbar ist (Kopf- und Klauengestaltung), zeigt es die schnelle Entwicklung in der Kunst der 1920-er Jahre. Von diesem Münzentwurf existieren nur wenige Probemuster.

Der klarste Stil an Gleichmäßigkeit wurde dem Feuervogelrelief (Entwurf 1928) am Krematorium zuteil. Trotz der Betonung der Symmetrien wurden die anatomischen Besonderheiten der Motive sehr genau beachtet. Auf den keramischen Entwürfen ist trotz der abstrahierten Pfauendarstellung die anatomische Ordnung der Hühnervögel klar in der Körperform und an den Füßen ablesbar. Der körnerpickende Schnabel rundet das charakteristische Bild ab. Die Verbindung von Naturstudien und deren Umsetzung in der Kunst zeugen von der Genialität des Gestalters.

Der neue Phoenix - Weiterentwicklung im digitalen Zeitalter

Im Jahr 2016 schuf die Künstlerin Kateryna Viderska, basierend auf dem Phoenix von 1928, eine moderne und digital zu verarbeitende Form des Meißner Feuervogels.
Blickt man auf diese Grafik, so erscheinen die modernen Empfindungen und die gedanklichen Ziele der Gründung des Feuerbestattungsvereins zu einer Einheit zu verschmelzen.
Dabei ist die graphische Umsetzung von materiellen Dingen (Phoenixdarstellung auf Steinzeug) in ein zweidimensionales System (Flächen) notwendig gewesen. Dieses neue grafische Design kann über die modernen Medien sehr gut übertragen und visuell dargestellt werden. Es widerspiegelt die Gepflogenheiten der Kommunikation in der aktuellen Gesellschaft und kann die Stimmung der Hoffnung und ständigen Wiederauferstehung nach dem Tod gut symbolisieren.